Urlaub – und was nun?

Urlaub

Nach Artikel 24 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das „Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub“ ein elementares Menschenrecht. Urlaub ist aber nicht gleich Urlaub. Koffer packen und ab auf die Insel ist keine Garantie für beste Erholung.

Die eigentliche Erholung, die diese Zeit sinnvoll nutzt und die hilft, Bournouts und Depressionen zu vermeiden, ist rechtlich nicht einklagbar, sondern gehört zum eigenen Gesundheitsmanagement – vorbeugend und heilend.

“Gesundheitsmanagement” – ein großes Wort für die vielleicht wichtigste Überlegung: Urlaub soll Spaß machen! Und damit der Urlaub Spaß macht, sind vorab einige Fragen zu klären: Wieviel Urlaubszeit steht mir zur Verfügung? Wie erholt man sich am besten?

Urlaub ist gut für Körper und Seele

Dass der Urlaub wirklich Erholungbringt, bestätigt die Forschung. Sie sagt ja. In der Freizeit sinkt die Menge an Stresshormonen wie Cortisol im Körper.  Dies wurde bereits in einer älteren Studie belegt. Auch Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen gehen schon nach wenigen Urlaubstagen zurück.

Angenehme Freizeitaktivitäten, an denen sich Menschen in ihrer Freizeit freiwillig beteiligen, haben einigen Studien zufolge in der Gesamtheit gesundheitliche Vorteile. Ein höheres Niveau positiver psychosozialer Zustände und ein niedrigerer Grad an Depressionen und negativem Affekt ließen sich feststellen. Dazu gehören niedrigerer Blutdruck, Gesamtcortisol, Taillenumfang und Body-Mass-Index.

Die Entspannung während des Wochenendes wirkt sich positiv auf die Arbeitsmotivation und -leistung für die wöchentliche Aufgabenerfüllung, die persönlichen Initiative, das Sozialverhalten aus, ergab eine Studie der Universität Mainz. Auch die Anstrengungen werden als geringer wahrgenommen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Genesung während des Wochenendes sowohl für den Einzelnen als auch für Organisationen.

 

Rücksicht nehmen auf die Änderung des Lebensstils

Entscheidend dafür, dass wir unsere Einstellung zum eigenen Körper ändern müssen, ist die Änderung des Lebenstils. Wir können ihn nur bedingt frei wählen, aber wir können lernen, uns vor negativen Einwirkungen zu schützen.

Eine der auffälligsten Änderungen ist, dass Erwachsene und Kinder mehr Zeit mit der Interaktion mit Medien und Technologie und weniger mit der Teilnahme an Aktivitäten in der Natur verbringen. Diese Änderung des Lebensstils hat einer Untersuchung des Neurowissenschaftlers David Strayer von der University of Utah in Salt Lake City zufolge eindeutig Auswirkungen auf unser körperliches Wohlbefinden. Die positiven Auswirkungen der Natur auf übergeordnete Aufgaben wie die kreative Problemlösung zeigten einen deutlichen Erfolg. Vier Tage des Eintauchens in die Natur und die entsprechende Trennung von Multimedia und Technologie bewirkten, dass die Leistung zur Lösung einer kreativen Aufgabe bei einer Gruppe von Wanderern um 50% stieg.

Es ist nicht bekannt, ob die positiven gesundheitlichen Auswirkungen auf eine erhöhte Exposition gegenüber der Natur beruhen oder auf eine verminderte Exposition gegenüber Technik oder auf andere Faktoren zurückzuführen sind, die mit einem Aufenthalt von mehreren Tagen in der Natur verbunden sind. Aber die Vermutung liegt nahe, dass durch den aufenthalt in der Natur unser Hirn neuen Input bekommt. Wir verlassen die Alltagsroutine, sehen eine andere Umgebung, nehmen neue Gerüche wahr, probieren neue Speisen, hören eine andere Sprache und sind mit dem Neuen beschäftigt, befreit von dem Druck, Ergebnisse liefern zu müssen.

Kurz- oder Langurlaub

Es gibt keine Erkenntnisse über den Zusammenhang von Kurz- oder Langurlauben für die Gesundheit. Ausgenommen Kuren, wie zum Beispiel Ayurveda. Für kurze Urlaube, aber auch für mehrere Wochen Ferien gibt es gute Argumente.

Britische Marktforscher fanden heraus, dass die Urlaubsplanung und die Vorfreude auf den Urlaub eine große Rolle spielen. Sie fanden heraus, dass diejenigen, die auf einen Urlaub warten, viel glücklicher mit ihrem Leben als Ganzes sind, weniger negative oder unangenehme Gefühle erfahren und somit insgesamt eine positive Gesamtwirkung oder angenehme Gefühle genießen. Die Gruppe, die Urlaub macht, ist auch zufriedener mit ihrer familiären, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Situation als die Gruppe ohne Urlaub. Die allgemeine Feststellung ist, dass die Erwartung eines günstigen Ereignisses (Urlaubsreise) das subjektive Wohlbefindensgleichgewicht der Befragten beeinflusst hat. Dies wird dadurch begründet, dass sich der Effekt der Befragten (hedonisch) positiv verändert hat und dadurch ihr Wohlbefinden erhöht hat. Dies macht sie wiederum viel glücklicher und erfahren dadurch angenehmeres Gefühl.

Es kann also eine durchaus aussichtsreiche Strategie sein, sich durch viele Kurztrips in einem positiven Vorfreude-Modus zu halten. Diese Strategie hat aber auch eine Kehrseite, denn die Urlaubserholung ist meist schon nach einer Woche aufgebraucht. Spätestens nach der dritten Woche wäre der nächste Kurzurlaub fällig, denn dann ist der Erholungseffekt aufgebraucht.

 

Nachhaltiger Urlaub

Es gibt zahlreiche Veranstalter, die Urlaubsreisen zur gezielten Erholung anbieten. Von Pauschal- und Studienreisen unterscheiden sie sich durch unterschiedliche Entspannungs-, Kur- und Anti-Stress-Konzepte. Die Programme helfen, Alltag und Freizeit räumlich zu trennen, neue Eindrücke und Anregungen aufzunehmen. Unterschiedliche Sport- und Freizeitangebote der Wellness- und Kurhotels ermöglichen, verschiedene sportliche Freizeitaktivitäten miteinander zu vergleichen und die gesammelten Ideen zuhause zu nutzen.

Der Urlaub zuhause dient der Erholung – ja, das ist möglich, sagen Forscher. Ein Konzertbesuch, ein  kurzer Spaziergang, eine Radtour, ein Bad nehmen oder der Besuch eines Fitness-Centers können, frei von Erfolgszwang, der Erholung dienen und eignen sich als “Urlaubbausteine” auch hervorragend für die Feierabende oder das Wochenende. Und vor allem: Diese kleinen Urlaubsportionen dienen dazu, dass man sich nachhaltig regeneriert und entspannt –  jeden Tag ein bisschen Urlaub. Sie nehmen sich bewusst Zeit für sich und was Ihnen gut tut.

Als besonders erholsam gilt Freizeit dann, wenn man sie nutzt, um etwas Neues zu lernen, oder etwas erreicht, was man sich lange vorgenommen hat.

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