Die Heilkraft von Radon

Die Heilkraft von Radon

Die Entdeckung der Heilkraft von Radon, die viele Menschen  nutzen, geht aus Beobachtungen von Bergleuten hervor. Manche Bergleute fanden beim Baden in Grubenwässern Linderung ihrer Gicht- und Rheumabeschwerden.  Durch den Apotheker Dr. Karl Aschoff, der 1904 in einem Kreuznacher Stollen Radioaktivität nachwies, bekam der “Brunnengeist” eine plausible Erklärung. Verantwortlich für die Strahlung ist das gasförmige Zerfallsprodukt des Radiumisotops 226: Radon-222.

 

Das Edelgas Radon ist ein bewährtes Heilmittel

Der Verein Europäischer Radonheilbäder (Euradon) listet Erkrankungen auf, die erfolgreich mit Radon behandelt werden können. Dazu gehören “Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, allen voran Morbus Bechterew, aber auch chronische Polyarthritis, Arthrose und bestimmte Formen des Weichteilrheumatismus. Außerdem Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder chronische Bronchitis sowie Hautkrankheiten wie Psoriasis und Sklerodermie.” Das Edelgas Radon wird seit mehr als einhundert Jahren in der Bäderheilkunde als eines der wirksamsten Heilmittel genutzt. Erfahrungen mit Radontherapie gibt es seit rund 100 Jahren. Das Radon gelangt durch die Inhalation hochaktiver radonhaltiger Luft oder in Wannenbädern durch die Haut in den menschlichen Organismus. Mehrere, auch deutsche Kurorte, vor allem in Sachsen und Bayern, bieten Radonkuren in Form von radonhaltigen Wannenbädern an.

Radonkuren

„Erst die Dosis macht das Gift“

Kurhaus Radium Palace
Kurhaus Radium Palace

Es gibt gesicherte Hinweise aus Tierexperimenten und Bevölkerungsstudien, dass Radioaktivität in geringen Dosen bis zu einem Schwellenwert gesundheitsfördernd sein kann, betonen die balneologisch tätigen Ärzte.  Sie gehen davon aus, dass niedrigdosierte Strahlung in Form einer Radonanwendung im Organismus einen kurzen Reiz setzt, der Zellen und Organe stimuliert. Dieser positive Effekt von kleinen Dosen im Gegensatz zur negativen Wirkung von hohen Dosen wird Hormesis (hormao = griech. anregen, ermuntern) genannt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz vertritt den Standpunkt, dass radioaktive Strahlung auch in sehr geringen Dosen noch gefährlich sein könnte. Es geht von einer linearen Dosis-Wirkungs-Beziehung ohne Schwellenwert aus. Dies sei allerdings eine rein theoretische, nur rechnerische Annahme, sagt Euradon. Es gibt bisher keinen Nachweis einer  gesundheitlichen Gefährdung durch Radioaktivität in geringen Mengen. Der Umweltmedizinische Informationsdienst  räumte 2000 ein, dass bei enger und fachlich kompetenter ärztlicher Indikationsstellung unter Abwägung des Strahlenrisikos sowie sorgfältiger ärztlicher Überwachung der Therapiemaßnahmen und -erfolge eine Radon-Balneotherapie bei chronisch schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates medizinisch gerechtfertigt sein könne. Strahlenhygienische Bedenken äußert er bei einer Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Schwangeren.

 

Nutzen und Risiko für den Patienten sind eine Frage des Abwägens

Das Deutsche Ärzteblatt hält eine positive lineare Beziehung zwischen dem Lungenkrebsrisiko und der Radonexposition im Niedrigdosisbereich für unwahrscheinlich. Hierauf beruhe jedoch weitgehend die derzeitige Strahlenschutzgesetzgebung. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sowie sachliche (und nicht emotionale) Diskussionen erscheinen äußerst wünschenswert.

Euradon betont, dass der Arzt Nutzen und Risiko für den Patienten gegenüberstellen und abwägen müsse. Für die Radontherapie gelte das Gleiche wie für jede medizinische Anwendung ionisierender Strahlung, z. B. Röntgenstrahlung oder nuklearmedizinischer Verfahren zur Schmerz- und Entzündungslinderung. Menschen mit einer Überfunktion der Schilddrüse und Schwangeren ist von einer Radonkur abzuraten. Auch Patienten mit akuten Erkrankungen sollten sich keiner Radontherapie unterziehen. Erfolgreich behandelte Krebspatienten bedürfen der individuellen ärztlichen Entscheidung. Bei Kindern und Heranwachsenden muss der behandelnde Arzt über eine mögliche Anwendung von Radon entscheiden. Außerdem weist der Verein darauf hin, dass man im Heilstollen nicht unter Platzangst leiden dürfe.

 

Wie entsteht  Radon und wie gefährlich ist es?

Radon, genauer Radon-222, ist ein natürliches radioaktives Gas. Es ist ein Edelgas, geruch- und farblos . Die Isotope (Atomkerne eines Elements mit gleicher Protonenzahl, aber unterschiedlicher Anzahl von Neutronen. Es sind spezielle Nuklide.) des Radons sind radioaktiv. Das stabilste Isotop ist 222Rn mit einer Halbwertszeit von 3,8 Tagen. Die biologische Halbwertszeit beträgt nur 20 bis 30 Minuten. Radon geht keinerlei chemischen Verbindungen mit Körperstoffen ein. Das heißt, dass die Hälfte des Radons nach dieser Zeit vom Körper ausgeschieden wird. Schon nach wenigen Stunden ist kein Radon mehr im Körper nachweisbar.

Radon entsteht als Zerfallsprodukt aus Radium. Radium ist ein Metall, das wiederum durch Zerfall von Uran entsteht. Es ist in der Erdrinde überall enthalten. Jeder Mensch auf der Erde ist ionisierender Strahlung ausgesetzt. Niemand kann sich ihr entziehen, betont auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Die Strahlung, die von Stoffen abgegeben werden, die Radioaktivität, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Sie ist eines der besterforschten Umweltphänomene, nicht zuletzt, weil sie sich so leicht messen lässt. Und dennoch erzeugt der Begriff “Radioaktivität” bei vielen Menschen Unbehagen.

 

Leben mit Radon

Die natürliche Strahlenbelastung unterscheidet sich von Ort zu Ort, je nach Geologie und Höhenlage. In den Alpen kann sie bis zu doppelt so hoch sein wie im Mittelland der Schweiz. Weil die kosmische Strahlung mit der Höhe zunimmt, erhält man selbst bei einem kurzen Ferienaufenthalt in den Bergen eine höhere Dosis als während eines ganzen Jahres in der Umgebung eines Kernkraftwerks. Dasselbe gilt für einen einzelnen Überseeflug. Fliegendes Personal nimmt sogar bis zu sieben zusätzliche Millisievert (mSv) pro Jahr an natürlicher Strahlung auf. In Indien, Brasilien und im Iran gibt es Gebiete, in denen die Menschen aufgrund des Gesteinsuntergrundes pro Jahr bis zu 50 Mal höhere natürliche Strahlendosen aufnehmen als in der Schweiz. In der Schweiz und der EU sind 20 mSv pro Jahr der gesetzliche Grenzwert für strahlenexponiertes Personal in Medizin und Technik, 50 mSv sind es in den USA. Eine ⇒ Tabelle ermöglicht, Strahlendosen und Befürchtungen hinsichtlich der gesundheitlichen Gefahren besser einzuordnen.

Laut Heilbädertag muss die Aktivität im Wasser dabei mindestens 666 Bq / l betragen. Die Vorgabe für die Inhalationskuren liegt  laut Ärztezeitung bei mindestens 37.000 Bq / m3 Luft.

 

Radon für die Gesundheit

Eine Radonkur gibt Ihrem Körper neue Kraft und kann Ihre Beschwerden langfristig lindern. Neben geistiger und körperlicher Entspannung und der Linderung von Entzündungen werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert.

Balneologen – Badeärzte an Radonstandorten – schreiben dem radioaktiven Edelgas in niedrigen Dosen entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekte zu. Sie stützen sich auf zahlreiche Hinweise aus der Grundlagenforschung und der Erfahrungsmedizin. Danach lassen sich Krankheitsbilder benennen, bei denen sich die Radonkur als spezifisch wirksam erwiesen hat. Dazu zählen: Erkrankungen des Bewegungsapparates, chronische Schmerzzustände, Störungen der Regeneration, Zirkulation und immunologischen Balance der Haut und Erkrankungen der Atemwege. Das Deutsche Ärzteblatt verwies 1999 auf kontrollierte Untersuchungen, die die positiven Erfahrungen der Radonbehandlung bei Morbus Bechterew und rheumatoider Arthritis sowie bei degenerativen rheumatischen Erkrankungen bestätigen.

Krankheitsbilder

Im Laufe der über 100-jährigen dokumentierten Erfahrung mit der Radontherapie haben sich einige Krankheitsbilder herauskristallisiert, bei denen sich die Radonkur laut Euradon als spezifisch wirksam erwiesen hat.
Das sind:
  • Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises, allen voran die Bechterew`sche Krankheit (Morbus Bechterew), aber auch chronische Polyarthritis (Rheumatoide Arthritis) im schubfreien Intervall
    Degenerative Wirbelsäulen und Gelenkerkrankungen, z. B. Hüft- und Knie-Arthrose, Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule (z. B. Bandscheibenschäden)
  • Bestimmte Formen des Weichteilrheumatismus; wie Fibromyalgie
  • Erkrankungen der Atemwege, wie Asthma bronchiale oder chronische Bronchitis; chronische Sinusitis
  • Hautkrankheiten, wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Sklerodermie.

Eine Wunderheilung wird nicht versprochen, aber eine Verbesserung der Lebensqualität ist in vielen Fällen belegt. Um eine dauerhafte Schmerzlinderung zu erzielen wird empfohlen, die Kur alle ein bis drei Jahre zu wiederholen.

 

Wie wird eine Radontherapie durchgeführt?

Baden, Trinken, Inhalieren – das sind die drei verschiedenen Formen der Radontherapie, wie sie heute in den
Heilbädern innerhalb von drei- bis vierwöchigen Kuren durchgeführt werden. In der Regel werden jeweils 8 – 12 Anwendungen verordnet.
  1. Bei Wannenbädern im radonhaltigen Wasser gelangt das Edelgas vorwiegend über die Haut in den Körper, zusätzlich kann das aus dem Badewasser entweichende Radongas eingeatmet werden, was aber häufig durch Wannenabdeckung vermieden wird, auch um die Radonkonzentration im Bad zu erhöhen.
  2. Bei einer Kur im Heilstollen atmen die Patienten die radonhaltige Luft ein. Sind die Patienten nicht bekleidet, wird Radon somit auch gleichzeitig auch über die Haut aufgenommen. In Badeorten mit radonhaltigen Quellen können die aufsteigenden Gase auch abgefangen und den Patienten über Hauben zum Inhalieren oder in Kabinen als Dunstbad zugeführt werden.
  3. Bei den Trinkkuren mit radonhaltigem Wasser nimmt der Blutkreislauf Radon über den Magen-Darmtrakt auf.

Wer bezahlt die Radonkur?

Die Patienten bekommen die Radonanwendungen meist nicht direkt verschrieben. “Seit Radonbäder 2001 komplett aus dem Heilmittelkatalog gestrichen wurden, können Ärzte die Bäder nur noch im Rahmen ambulanter Kuren verschreiben”, so Euradon-Geschäftsführer Steffen Matthias.

Privatversicherte können sich Radonanwendungen mitunter auch direkt bei ihrer Versicherung abrechnen lassen.

 

Quellen:

Radon_10_Fragen_9._Auflage-3

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