Beauty – einfach beautyful

beautyful

Ob es die Psychologin Dr. Cordula Krüger, die von t-online mit den Worten zitiert wird, “Jede Frau kann sich getrost drei Mal in ihrem Leben ein Facelift gönnen”, tatsächlich gibt? Jedenfalls liegt sie mit ihrer Ansicht im Trend. Die Zahl der Schönheitsoperationen wächst  ständig. Im Jahr 2015 wurden weltweit rund 21,7 Millionen chirurgische und nicht-chirurgische Schönheitsoperationen durchgeführt. Seit Urzeiten sei es schließlich das Bestreben des Menschen, die Natur zu überlisten, sie zum eigenen Nutzen in seine Dienste zu nehmen, verteidigt Cordula Krüger, Unternehmensberaterin für Marken und Kommunikation, die Schnippelei. “Warum sollte dann eine Frau der Natur ihren Lauf lassen? Das ist der Natur des Menschen nicht angemessen.”

Die 18- bis 30-Jährigen machen heute etwa ein Drittel der Patienten in der ästhetisch-plastischen Chirurgie aus. In den Altersgruppen der 41- bis 50-Jährigen und der über 61-Jährigen konnten jedoch laut statista die höchsten Zuwachsraten verzeichnet werden. Frauen liegen demnach mit einem Anteil von rund 86 Prozent der Patienten deutlich häufiger auf dem OP-Tisch als Männer. Die Erklärungen für diesen Hype sind vielschichtig. Es steht allerdings fest, dass das Thema Schönheitsoperationen inzwischen an gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen hat, neuerdings sogar bei Mädchen.

 

Corriger la nature

Dem Aussehen werde eine “riesige, manchmal sicher unverhältnismäßige Bedeutung zugemessen” warnt das online Magazin maedchen.de. Gerade bei unsicheren Mädchen könne dies einen großen Druck erzeugen. “Hinzu kommen Probleme mit dem Aussehen, die durch die moderne Gesellschaft – zum Beispiel Bewegungsmangel und falsche Ernährung – entstehen. Hier wird die plastische Chirurgie oft als simples Hilfsmittel verstanden – was aber nicht ihre Aufgabe ist!”. Das Geschäft mit dem Skalpell boomt. „Ohne eine ansprechende Optik können Sie Karriere heute vergessen“, sagt der Schönheitschirurg Darius Alamouti. Und: „Wer heute übergewichtig ist, hat schon verloren“.

“Corriger la fortune”, sagt ein abgebrannter Spieler und entlassener Soldat und versucht sich in der Erzählung von Gotthold E. Lessing bei Buchhandlung Storchmann Minna von Barnhelm frisches Geld für neue Spieleinsätze zu verschaffen. “Corriger la nature”, verlangt die moderne Gesellschaft von Frauen und Männern, deren Selbstbewusstsein nicht ausreicht, um der Manipulation durch die Schönheitsindustrie zu widerstehen. In den Spitzenländern USA und Brasilien steigen die Operationszahlen drastisch, aber andere Länder ziehen nach. Immer mehr und immer filigraner werde die Natur korrigiert, kommentiert das Handelsblatt die  Entwicklung des Geschäfts mit dem Körper. 2015 seien weltweit 21,7 Millionen operative Eingriffe gezählt worden. Die Tendenz sei steigend. Botox-Behandlungen: 4,6 Millionen. Hyaluron-Injektionen: 2,9 Millionen. Haarentfernung: 1,1 Millionen. Brustvergrößerungen: 1,5 Millionen. Fettabsaugungen: 1,4 Millionen. Bis 2020 werde in diesem Gewerbe mit einem globalen Umsatz von 61 Milliarden Dollar gerechnet.

 

Die Definition von Schönheit steckt voller Widersprüche und Konflikte

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) geht davon aus, dass  41 Prozent der Deutschen mit ihrem Erscheinungsbild nicht zufrieden sind, je jünger und je weiblicher, desto weniger. Dies ergab eine Umfrage der GfK.

“Schönheitsoperationen sind zum gesellschaftlichen Standard geworden, und die Kundinnen (Patientinnen mag man sie nicht nennen) werden immer jünger. Castingshows gelten als basisdemokratisches Vehikel für den gesellschaftlichen Aufstieg. Fitnessstudios und Parks sind voller Menschen bei der Arbeit an sich selbst. Und auch bei der Ernährung geht es nur noch am Rande darum, mit Genuss satt zu werden, sondern klüger, fitter und attraktiver. Schönheit wird heute nicht als Gottesgeschenk gesehen, sondern als Ergebnis von konsequenter Arbeit an sich selbst. Wer hässlich ist, will es nicht anders”, meint die Welt.

Sehen die Frauen, zunehmend auch Männer und Kinder, die Arbeit an sich selbst tatsächlich als Eintrittskarte für ein glückliches Leben und ihre Karriere?

Die Definition von Schönheit steckt voller Widersprüche und Konflikte. Dies geht aus einer Online-Studie hervor, die vom  Elektronikkonzern Philips zwischen dem 13. bis 15. März 2015 durchgeführt wurde. An der Studie nahmen 9.136 Frauen ab dem Alter von 18 Jahren aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen, Russland, China, Japan, Südkorea und Indien teil, wie das Online-Magazin Elle berichtet. Denn einerseits möchten Frauen der Bestätigung ihrer Schönheit von außen keine große Bedeutung zukommen lassen. Andererseits wird ihr Verständnis von Schönheit aber noch immer von externen Faktoren bestimmt. Es sagten
86% “Schönheit bedeutet, sich in seiner Haut wohlzufühlen”,
56% “Selbstwertgefühl ist wichtiger als das äußere Erscheinungsbild”,
42% “Wie ich aussehe, ist mir weniger wichtig als wie ich mich fühle”,
29% “Es gibt eine allgemeingültige Definition von Schönheit”,
24% “Schönheit und Aussehen sind das Gleiche”.

 

Die Risiken von Schönheitsoperationen werden verschwiegen

“Ich bin froh, dass es heute die Mittel und Methoden gibt, mein ästhetisches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen”, sagt Cordula Krüger. Sie sieht die medizinisch nicht notwendige Operation als Teil der Selbstbestimmung, nicht als ein gigantisches Geschäft mit hohen gesundheitlichen Risiken. Die Risiken solcher Eingriffe seien bekannt, doch sie werden in der Regel nicht thematisiert, sagt Hans-Ulrich Steinau, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie an der Uniklinik Bochum. Es sei ein „echtes Tabuthema der Medizin, vielleicht eines der letzten“.

Neben Infektionen zählen laut Hans-Ulrich Steinau die Blutvergiftung (Sepsis) und Schock zu den häufigsten Komplikationen solcher Eingriffe. Experten gehen seinen Studien zufolge davon aus, dass jede fünfte Operation mit Komplikationen einhergeht. Insgesamt 21 Todesfälle und 52 lebensgefährlich Verletzte seien allein durch Fettabsaugung dokumentiert.

 

Alternativen zur Schönheits-OP

Es gibt alternative Angebote zur Schönheitsoperation.  Während ein Teil der vor allem weiblichen Bevölkerung sich dem Risiko folgenschschwerer Komplikationen aussetzt, wächst andererseits bei vielen Menschen aber auch die Bereitschaft, dem Konsumdruck und dem Alltagsstress durch Umstellung der Lebensweise und der Ernährung ein Schnippchen zu schlagen. Darum kümmert sich vor allem die Gesundheits-, Wellness- und Tourismusindustrie. Manche Maßnahmen dienen der kurzfristigen Verschönerung und Entspannung und sind doch eine alternative zu Botox & Co.

Verwöhnende Gesichtsmasken, entspannende Massagen, reinigende Peelings, die im Rahmen von Beauty & Wellness angeboten werden, sind rundum Wohlfühlprogramme. Sie dienen dazu, die Teilnehmer von Kopf bis Fuß zu verwöhnen, damit sie sich entspannen und es sich einfach nur gut gehen lassen können. Dazu dienen Maniküren, Pediküren, Masken oder Massagen, die es erlauben, sich entspannt zurücklehnen und das ganze Programm einfach nur genießen. In guten Beautyhotels werden dafür nur qualitativ hochwertige Kosmetika und Produkte verwendet. Der Erfolg ist meist nach kurzer Zeit sichbar. Natürliche Produkte, wie Fango, Tonerde oder Mineralien aus dem Toten Meer, bringen darüber hinaus auch eine natürlich heilende Wirkung mit sich. Sie werden bemerken, dass eine kleine Auszeit wahre Wunder bewirken und Ihnen im Handumdrehen mehr Frische und Glanz verleihen kann.

Je nachdem wie lange die Auszeit dauern soll, können die wohltuenden Wellness- & Beauty-Anwendungen für Entspannung & Schönheit an einem Beauty-Wochenende in einem Wellnesshotel genossen oder als Beauty-Urlaub gebucht werden. Eine prima Alternative zur meist unnötigen Schönheitsoperation.

Die Gesundheits-, Wellness- und Tourismusindustrie bietet aber auch Maßnahmen an, die auf die langfristige Änderung von Gewohnheiten abzielen. Im Unterschied zu den Modetrends der Schönheitsindustrie nutzen sie die Erfahrungen aus der Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation und knüpfen an dem Wissen an, das über Generationen gesammelt und weiterentwickelt wurde. Dies gilt zum Beispiel für klassische Kneipp-Kuren und Basenfasten und insbesondere für Ayurveda.

 

Ayurveda – eine Rückbesinnung auf die Selbstbestimmung

Ein Mensch wird gesund genannt, wenn dessen Physiognomie im Gleichgewicht ist, dessen Verdauung und Stoffwechsel gut arbeiten, dessen Gewebe- und Ausscheidungsfunktion normal funktionieren und dessen Seele, Geist und Sinne sich im Zustand dauerhaften, inneren Glücks befinden“ (Sushruta, ayurvedischer Arzt, 1000 v.Chr.).

Im Sinne der ayurvedischen Lebensphilosophie ist die Schönheit Ausdruck der Einheit von Körper, Seele und Geist. Ein ungesunder und unausgeglichener Lebensstil oder Änderungen der Lebensumstände verschieben das natürliche Gleichgewicht der sogenannten Doshas, die sich in jeweils unterschiedlich starker Ausprägung von Geburt an in jedem Menschen befinden. Ihr Verhältnis untereinander kann sich im Laufe des Lebens verschieben. Sie sollten sich jedoch stets in Harmonie zueinander befinden. Die Störung der Balance der Doshas wird in der ayurvedischen Lehre als Grund für Krankheiten gesehen. Daraus folgt, dass jede ayurvedische Behandlung nicht der “Reparatur” von Teilen des menschlichen Körpers dient, sondern dem Erhalt oder der Wiederherstellung des Gleichgewichts der Doshas. Sie wird sichtbar durch die Schönheit.

Schönheitsprogramme, die vom traditionellen Ayurveda neben anderen Behandlungspakete angeboten werden, erhalten  zunächst eine Basis durch ein Körperreinigungsprogramm. Darauf bauen dann die Behandlungen für schönheitsbewusste Menschen auf. Sie umfassen Kräutergesichtspackungen, Kräuterölmassagen, Kräutertees und Dampfbäder.

Mit trendigen Wellnessangeboten hat das authentische Ayurveda wenig zu tun. Es ist ein medizinisch-therapeutisches Programm, das der Heilung ebenso wie der Vorbeugung vor Erkrankungen dient. Am Beginn jeder Kur steht deshalb auch eine Eingangsuntersuchung durch die behandelnden Ärzte. Neben der Krankheitsgeschichte und den aktuellen Lebensgewohnheiten gehören die Pulsdiagnose und eine körperliche Untersuchung dazu, durch die der Dosha-Typ nach dem ayurvedischen TriDosha-Konzept bestimmt wird. Danach richtet sich das Therapieprogramm, das aus individueller Ernährung und verschiedenen ayurvedischen Behandlungen, Meditation und Yoga besteht.

Die Stärke des Ayurveda beruht auf seiner Einheit von ganzheitlicher Philosopie und Therapie, die vor der Vereinnahmung durch partielle Interessen der Schönheitsindustrie schützen kann.

 

Titelfoto: UggBoy♥UggGirl, „The Year of the Rabbit : With Beauty Into The New Year“, Some rights reserved© www.piqs.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.